Klanginsel: Mit Kreissäge, Kettensäge und Kajak zum Ziel

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Der Aufbau der Klanginsel gegen alle Widrigkeiten: Mit Kreissäge, Kettensäge und Kajak zum Ziel in Wort und Bild 

 

Nachdem im März diesen Jahres bereits der einwöchige Workshop "Bau der Klanginsel" an der Droste-Hülshoff-Schule in Bottrop durchgeführt wurde, wollten Heiner Szamida (bildende Kunst) und ich, Ingo Stanelle (Musikinstrumentenbau), die gefertigten Baumstammtipis und Klangspiele zusammen mit der Schwimmplattform zu einer Klnginsel aufbauen. Zwei volle Tage waren dafür vorgesehen; es war klar, dass das nicht gerade üppig bemessen war. 

Unsere beiden Transporter waren Sonntag abends schon gepackt mit schwerem Werkzeug, Material aus dem Schiffsbau und natürlich Wildwasserkayak und Paddel. Die Wetterprognose für die nächsten Tage war denkbar schlecht: es sollte aus Kübeln giessen und dabei noch außergewöhnlich windig sein. Und genau so kam es: da der Termin sich nicht verschieben liess, mussten wir beide schließlich ran an die Arbeit. 

Einige Tonnen an Werkzeug, Holz und anderen Materialien mussten über die schmale Brücke zum runden Ausleger des Klärbeckens geschafft werden. Zuvor wurde mit Kreissäge und Kettensäge Aussparungen in die 10x14cm Holzbalken gesägt, damit diese überblattet werden konnten. Mit großen Bernereisen und schweren Hämmern wurde gesäubert und dann überblattet - die Grundform der Insel stand also. 

Heiner Szamida hatte gottseidank die Schwimmelemente schon zuhause an der Säge vorbereitet - 8 grosse, mit Holz eingefasste Stapel Styropor, die die massige Insel über Wasser halten sollten. Mit einigem Geschick und viel Glück konnte das schwere Gerüst der Insel dann nach mindestens 5 Arbeitsunterbrechungen wegen Starkregens und nach knapp 10 Stunden endlich zu Wasser gelassen werden. Bis 21 Uhr abends war dann endlich auch die Beplankung mit Rauhspund fertig und die Insel konnte über Nacht an die Kette gelegt werden.

 

 

 

Am nächsten Morgen, etwas verspannt und hundemüde, ging die Plackerei bei etwas wärmeren Regen und weniger Wind weiter. Die Baumstammtipis konnten angefahren und auf die Insel gestellt werden. Heiner Szamida hielt die Tipis fest, während ich 300er Schrauben durch die Stämme in die Balken jagte. Die Akkus der Maschinen wurden ordentlich gequält!

Aus den Baumstammtipis erstellten wir beide mit der Hilfe von weiteren farbigen Viertelstämmen einen ansprechenden Kreis, der mittig auf der Insel zum Stehen kam. Jetzt wurde die Beplankung noch in eine etwas organischere Form mit der Stichsäge geschnitten. Die größten Schaukelhaken, die es zu kaufen gab, wurden nun in das Hirnholz der Querbalken geschraubt und auch in die höheren Baumstämme, um die von den Kindern gefertigten Windspiele zu befestigen. Das Windrad bekam einen prominenten Platz an der Insel, damit die Besucher es schon von weitem bei Ankunft in den BernePark sehen können. Mit dem harmonischen Klingen der Windspiele ging es nun an die letzten Arbeiten, die auf der Insel zu verrichten waren.

Erst am frühen Abend des zweiten Tages konnten wir beginnen, die Insel mit dem Kajak aufs Wasser zu ziehen. Durch das Gewicht und die große Wasserverdrängung der Plattform war das gar nicht so einfach: auch mit vielen kräftigen Paddelschlägen gelang es mir nur mühsam, die Insel zum Betonrand zu bewegen. Dort wartete Heiner Szamida, ausgerüstet mit langen Anglerstiefeln und Handschuhen, um im Wasser das Stahlseil fixieren zu können. Vom Kajak aus musste das Seil dann mit zwei Schellen fixiert werden. Als schwierig gestaltete sich das Spannen der drei Stahlseile. Und kurz vor dem Ende passierte noch das Undenkbare: ich wollte nur noch kurz dem riesigen Spannschloß eine halbe Umdrehung mehr geben, um die Seile maximal zu spannen - da reisst einer der Schaukelhaken mit einem lauten PENG aus dem Hirnholz! Wir mussten also noch einmal den Spannvorgang wiederholen und waren dann zufrieden und glücklich gegen 21:00 Uhr fertig. In der Abendsonne konnten wir dann als Lohn der Arbeit die schwimmende Insel im Klärbecken bewundern.

Drei Tage später war dann die Vernissage, zu der die Kinder, Lehrer, Presse und natürlich das Referat Migration mit Dieter Pillath als Redner eingeladen waren. Wir begrüßten alle die Klanginsel und, wegen Windflaute, bliesen stark zur Insel hinüber, um die Klangspiele zum tönen zu bringen.

 

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